Ethik

Ethik

Prof. rer. nat. Robert Geigenfeind

In der Diskussion um die Behandlung der Tiere durch uns Menschen wird oft die These vertreten, wegen der offensichtlichen morphologischen Ungleichheit zu uns Menschen dürften wir Tiere behandeln, aus- und benutzen, wie es uns beliebt.

Also allein durch die Tatsache, dass Schweine, Rinder, Gänse, Fische, Hühner usw. zufällig zu einer anderen Art gehören, nehmen die Menschen sich das Recht, über sie zu verfügen. Eine derartige Haltung wird als Speziezismus bezeichnet, analog zu Sexismus und Rassismus. Denn vor gar nicht allzu langer Zeit - und in manchen Gegenden der Welt sogar heute noch - wurden Frauen nur wegen der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht und Schwarze nur wegen ihrer anderen Hautfarbe diskriminiert. Eine äußerliche Ungleichheit wurde zur Legitimation eines Herrschaftsanspruches missbraucht.

Dabei geht es gar nicht darum, physische oder psychische Gleichheit für das Zugestehen von Rechten vorauszusetzen. Wichtig sind allein die Interessen, die Individuen verfolgen wollen. Und unbestreitbar haben alle Tiere Interesse an einem schmerzfreien Leben und einem nur von der Natur bestimmten Tod. Und in diesem Interesse sind sie uns absolut gleich. Und deshalb ist es unethisch, Tieren ohne eigene Not Leiden zuzufügen und ihnen das grundsätzlichste aller Rechte, das Recht auf Leben, zu verweigern. Und eine Not gibt es tatsächlich nicht, da es vielfältige Möglichkeiten gibt, sich gesund, abwechslungsreich und geschmackvoll ohne tierische Produkte zu ernähren.

Dies bestätigt inzwischen auch die Wissenschaft, die ADA (American Dietetic Association, staatliche Ernährungsgesellschaft in den USA) hat festgestellt, dass eine abwechslungsreiche vegetarische, ja auch eine vegane (ohne Milch und Eier), rein pflanzliche Ernährungsform für jedermann geeignet ist.

Vor einer Umstellung stehen uns dabei eigentlich nur die Gewohnheit und die Werbung, die unser Konsumverhalten manipulieren, im Wege. Eine schlechte Gewohnheit kann jedoch überwunden und durch eine neue, bessere ersetzt werden. In unserer modernen Zeit ist es so leicht wie nie zuvor, seine Ernährung ohne Tierleid, mit geringer Umweltbelastung und gesund zu gestalten.

 

"Die Gemeinschaft der fühlenden Wesen geht über die Grenzen der menschlichen Art hinaus und wir haben nicht das Recht andere fühlende Wesen einem Leben auszuliefern, das nur aus Qualen und aus Angst vor dem Tod besteht. Es ist nicht nur eine Frage des Mitleids, wir haben nicht das Recht."

Robert Spaemann
(*1927, dt. Philosoph und Theologe)