Tiere und Religionen |
Das Herz wird weich Altabt Emmanuel Jungclaussen |
Wieder bin ich gebeten worden, ein paar der Worte der Ermutigung für Sie als Freunde der Tiere und ihre Beschützer zu schreiben, damit Sie der Mut nicht verlässt und ebenso die Kraft, den Anforderungen des Tierschutzes gewachsen zu bleiben. Über meine beiden früheren Beiträge hätte man schreiben können: "Tierschutz hat Tradition", nämlich in den Religionen der
Menschheit als die Liebe zu allen Geschöpfen. Erstens: "Menschen und Tiere machst du heil", heißt es im Psalm 36,7. Und der heilige Augustinus, der größte Abendländer unter den christlichen Kirchenvätern (350-430), wendet das temperamentvoll wie er ist - sogleich aufs konkrete Leben an: "Von dem das Heil der Menschen kommt, von dem kommt auch das Heil der Tiere. Scheue dich nicht, dies vom Herrn, deinem Gott, zu denken; vielmehr nimm es fest an, glaube es, und hüte dich, anders zu denken. Der dich heil macht, derselbe macht dein pferd heil, derselbe macht dein Schaf heil, und, zum Geringsten zu kommen, derselbe macht auch deine Henne heil. Vom Herrn kommt das Heil der Engel, der Menschen und der Tiere." Und warum? Fragt Augustinus. Einfach, weil Gott Gott ist und darum
göttlich-grenzenlos seine Liebe und sein Erbarmen! Zweitens: Der heilige Isaak von Ninive (Bischof und Mönch der Ostkirche im 7. Jahrhundert) fragt einmal, woran das "barmherzige Herz" zu erkennen sei. Daran, antwortet er, wenn es in Nächstenliebe zu allen Kreaturen entbrenne - Mensch wie Tier. "Das Herz wird weich und kann es nicht ertragen, von anderen zu sehen, dass sie leiden, und wäre das Leid, das die Kreatur zu erdulden hat, noch so gering. Deshalb hört ein Mensch nicht auf, für die Tiere zu beten und sogar auch für die Feinde der Wahrheit und für diejenigen, die ihm Böses antun, damit sie bewahrt und gereinigt würden. Er betet sogar für die Reptilien, getrieben vom großen Erbarmen, das sich unendlich in sein Herz ergießt, und dadurch gleicht er sich Gott an." Also auch für die Tiere beten - sogar für die "bösen"!
Stellvertretend für die "bösen" Tiere stehen die Reptilien. Es gibt
keine Grenze, an der Liebe - wenn sie Liebe ist - Halt machen könnte. Das geht weit
über ein ziellos aufgewühltes Gefühl spontaner Mitleidsregungen hinaus: |