Vegetarismus/Veganismus

Tiere sind meine Freunde und meine Freunde esse ich nicht!

Prof. rer. nat. Robert Geigenfeind

Jeder, der sein Heim mit einem Tier teilt, sei es Hund oder Katze, Kanarienvogel oder Meerschweinchen, wird die Erfahrung bestätigen, dass jedes einzelne Tier seinen eigenen Willen und Charakter besitzt, mit individuellen Unterschieden in den Vorlieben und Gewohnheiten. Uns wurde dies besonders ins Bewusstsein gerufen, als sich in unserem Haushalt im Lauf der Jahre mehrere Katzen und Meerschweinchen - immer Findelkinder, die keiner haben wollte - eingefunden hatten. Jedes Tier hatte andere Eigenarten und zeigte ganz deutlich, was es wollte und was nicht. Auch Gemütsäußerungen wie Freude oder Unmut gehörten zum Verhaltensrepertoire.
Wenn Tiere also einen Willen und ein gewisses Bewusstsein ihrer selbst besitzen, so muss man konsequenterweise davon ausgehen, dass sie wie wir nicht gerne leiden schon gar nicht freiwillig ihr Leben beenden wollen. Sie wollen so lange leben, wie ihnen von Natur aus zugestanden wird.


Diese Tatsache trifft nun aber genauso auf die sogenannten Nutztiere zu. Auch sie sind empfindungs- und leidensfähig, und genau so wenig wie unsere Heimtiere möchten sie vor ihrer Zeit sterben.


Aus dieser Erkenntnis heraus war es für uns ethisch nicht mehr vertretbar, Tiere zu töten und aufzuessen, vor allem, da es andere Möglichkeiten gibt, sich zu ernähren. Man fängt also an, sich über die Ernährung intensiv Gedanken zu machen, schließlich will man ja gesund und leistungsfähig bleiben. Man weiß natürlich, dass Vegetarier offenbar gut ohne den Genuss von Fleisch auskommen, und Veganer benutzen für ihre Ernährung gar keine Produkte, die von Tieren stammen. Immerhin gab und gibt es eine Reihe von Menschen, Wissenschaftler, Schriftsteller, auch Spitzensportler, die sich ohne tierische Produkte ernähren:
Albert Einstein, Leo Tolstoj, Carl Lewis, Paul McCartney, usw. Und tatsächlich, wenn man diesen Schritt vollzieht, dann gibt man zwar Fleisch und Wurst auf, man gewinnt aber mindestens genau so viel an neuen Nahrungsmitteln!


Es ist absolut nicht nötig, fortan als missmutiger Asket von Salat und Gemüse zu leben, sondern die Ernährung wird genau so abwechslungsreich und schmackhaft wie vorher. Da gibt es z.B. die vielfältigen Produkte, die aus Seitan (einem Produkt aus Weizen-Eiweiß, das seit Jahrhunderten in Fernost zubereitet wird) oder aus Tofu - aus Sojabohnen -, die wie Fleisch zu Braten und in Eintöpfen verarbeitet werden können. Oder die vielen Möglichkeiten, aus Getreide und Hülsenfrüchten leckere "Pflanzerl" in der Pfanne zu braten.


Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, als Fazit bleibt nur:
wir haben nicht das Gefühl, auf etwas zu verzichten, sondern im Gegenteil, wir haben neue, schmackhafte Gerichte kennen gelernt, und dabei das gute Gefühl gewonnen, dass wegen unserer Ernährung keinem Tier ein Leid zugefügt wird oder gar das Leben genommen wird.
Im Übrigen zeigen auch die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaften, dass eine vegetarische und vegane Ernährung möglich ist (und sogar viele Zivilisationskrankheiten verhindern kann), wenn man nur die Grundlagen für eine ausgewogene Nährstoffaufnahme beachtet.


Wir selbst leben seit mehreren Jahren vegan, und außer einem sehr niedrigen Cholesterinspiegel im Blut haben sich keine Änderungen in unserem Gesundheitszustand ergeben. Die sportliche Leistungsfähigkeit hat sicher nicht abgenommen, und bleich und hager sind wir auch nicht geworden. Für uns ist das der Beweis, dass Achtung vor dem Lebendigen und gesunde Ernährung kein Widerspruch sein müssen. Man muss nur anfangen, seine traditionellen Ernährungsgewohnheiten zu überdenken.


Für Internet-Nutzer:
auf der Seite www.peta.de (Homepage der weltgrößten Tierschutzorganisation "People for Ethical Treatment of Animals" finden sich weitere Informationen.


"Gibt es nicht Nahrungsmittel, ohne dass man Blut gebraucht? Heisst es nicht die Menschheit zur Grausamkeit zu ermutigen, wenn man ihnen gestattet, den Tieren das Messer in das Herz zu stoßen?"


Diderot, Denis (1713-1184), franz. Enzyltlopädist